Irina Potapenko, Ursula Strauss, Johannes Krisch, u.v.a.
Drehbuch:
Götz Spielmann
Inhalt:
Eine Geschichte, gespielt auf zwei völlig verschiedenen „Bühnen“, führt Menschen zusammen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die beiden Welten, das Rotlichtviertel Wiens und die ländliche Umgebung um Wien, treffen plötzlich aufeinander als Tamara (Irina Potapenko) erschossen wird. Die Prostituierte Tamara und ihr Freund Alex (Johannes Kirsch) beschließen ihren Geldnöten und ihrer perspektivenlosen Zukunft zu entfliehen und rauben eine Bank aus. Der Banküberfall endet damit, dass Alex das Geld zwar erbeutet, Tamara jedoch verliert, sie wird auf der Flucht erschossen. Alex schwört Rache und plant den Mord an Robert (Andreas Lust), dem Polizisten, der den tödlichen Schuss abgegeben hat. Er bricht in Roberts ländliche Idylle ein - und wird inmitten seiner Rachepläne mit Selbstzweifel, Ausweglosigkeit und Trauer konfrontiert.
Kritik: Wer ist Schuld, wenn dein Leben anders verläuft, als du es willst? Um diese Frage dreht sich Götz Spielmanns Oscar-nominiertes Drama. Eine Frage, die zunächst banal klingen mag, jedoch in der Essenz keineswegs so einfache Antworten liefert. Weder aus dem Lehrbuch noch mit erhobenem Zeigefinger vermittelt der Film genau dies auf eine unterschwellige und subtile Art. Spielmann thematisiert diese Frage anhand seiner Protagonisten und deren Lebensgeschichten sehr detaillegetreu und präzise. Mit mühevoller Vorbereitung ließ Spielmann seine Schauspieler vor dem Dreh in das jeweilige Milieu eintauchen: Irina Potapenko zum Beispiel begab sich ins Rotlichtmilieu, tanzte sogar an der Stange oder Andreas Lust absolvierte eine polizeiliche Schießausbildung und führte Alkoholkontrollen an Autobahnen durch. Die Präzision an den Charakteren, das Wissen über die jeweiligen Milieus verleiht dem Film ein besonders großes Maß an Glaubwürdigkeit, die hohe Authentizität zeichnet den Film aus. Ausweglosigkeit, Schicksalsschläge und Desillusion werden auf eine sehr emotionale und hingebungsvolle Weise behandelt, dessen kann man sich kaum entziehen. Dies ist nicht zuletzt der schauspielerischen Leistungen, vor allem von Andreas Lust und Hannes Thanheiser, zu verdanken. Die Thematik der Verzweiflung und Trägheit besitzt auch noch Stunden nach dem Film eine erstaunlich hohe Ausstrahlungs- und Aussagekraft. Zwischenzeitlich, während des Films, lastet jedoch auch eine gewisse Trägheit auf dem Film, wenn Spannung und Handlungsstrang sehr abflachen. Das sollte vor dem Hintergrund der liebevollen Inszenierung, der schauspielerischen Leistungen und der tiefen Thematik jedoch nicht sehr ins Gewicht fallen. Nichtsdestotrotz sehenswert und ergreifend.