Inhalt: Wer bin ich? Was soll ich aus meinem Leben machen? Diese Fragen stellt sich die junge College- Absolventin Annie Braddock (Scarlett Johansson) aus New Jersey. Ihre Mutter Judy (Donna Murphy) hat da konkrete Vorstellungen: Annie soll ins Finanzwesen. Doch Annie interessiert sich eigentlich vielmehr für Anthropologie, die Wissenschaft vom Menschen. Ihrer Mutter zuliebe geht Annie dennoch zu einem Bewerbungsgespräch für eine Banklehre in New York. Nach dem verpatzten Vorstellungstermin, werben plötzlich Heerscharen von Upper East Side Mums um Annie als ihre neue Nanny. Nun gut, sie hat zwar den fünfjährigen Grayer X (Nicolas Reese Art) vor dem Zusammenstoß mit einem Fahrradfahrer gerettet, aber eigentlich hat sie keine Ahnung vom Job eines Kindermädchens. Annie braucht eine Auszeit und nimmt daher das (auch finanziell attraktive) Angebot der reichen Familie X an. Nun geht es für die frisch gebackene Nanny von der Vorstadt in ein Luxus-appartement auf der Park Avenue. Leider trügt der schöne Schein. Annie findet sich inmitten einer heiklen Ehekrise und auch sonst wenig harmonischen Familie wieder. Die geplante „Auszeit“ entpuppt sich als 24-Stunden-Dauerdienst mit Aufgaben, die nicht direkt zur Kindererziehung gehören. Den Ansprüchen der versnobten Hausherrin „Mrs. X“ (Laura Linnley) gerecht zu werden, stellt sich als unmöglich heraus. Annies „Feldbeobachtungen“ der New Yorker High Society werden allerdings durch zwei Herren, ihren Schützling Grayer und den attraktiven Nachbarn (Chris Evans), versüßt. Kann Annie es am Ende noch übers Herz bringen, den kleinen Grayer zu verlassen, um ihr eigenes Leben zu leben?
Kritik: Diese moderne Mary Poppins- Version entführt uns nicht in die farbenfrohe Fantasiewelt des Musical-Klassikers von 1964 („Mary Poppins“, 1964), sondern in die unterkühlte, knallharte Welt der New Yorker Oberschicht der Gegenwart. Hier werden keine Gefangenen gemacht… Basierend auf dem US-Bestseller „Die Tagebücher einer Nanny, in den zwei ehemalige Kindermädchen ihre Erfahrungen einfließen lassen, bietet die Leinwanddar-stellung dem Zuschauer ein authentisches Portrait einer prototypischen Upper-Class- Familie: der Familie „X“. Die satirische Komödie gewährt einen Eindruck vom Alltag einer Nanny und blickt zugleich hinter den schönen Schein der Welt der Reichen. Superreich heißt eben nicht automatisch superglücklich. Das wussten wir zwar schon vorher, aber die exklusiven Insider-Informationen liefern uns nun endgültig den Beleg. Die Figur des Kinder-mädchens Annie wird von Scarlett Johansson („Lost in Translation“, 2003; „Scoop-Der Knüller“, 2006) auf eine gekonnt unschuldige Weise interpretiert und verleiht der teils ange-spannten Handlung humoristische Züge. Die verbiesterte Mrs. X wird von der zweifach Oscar-nominierten Laura Linnley („Der Tintenfisch und der Wal“, 2005; „You can count on me“, 2000) verkörpert, die in der Rolle der anspruchsvollen Society-Lady endlich einmal ihre glamouröse Seite zeigen kann. Die Schauspielerin spielt sonst eher bodenständige Charak-tere, kann die vielschichtige Mrs. X jedoch so überzeugend darstellen, dass sie wie für die Figur geschaffen scheint. Paul Giamatti („American Splendor“, 2003) wurde als Mr. X besetzt und glänzt in den wenigen Momenten der Anwesenheit mit herrlich ekelhafter Widerlichkeit. Neben der durchweg guten Besetzung überrascht der Film mit stilistischen Mitteln. So wird Annies erwähnte Leidenschaft für die Anthropologie durch imaginäre Museumsstandbilder wie „Die Upper-Class-Family“ oder „Die Nannys“ veranschaulicht. Diese Standbilder verleihen dem Film einen gelungenen Rahmen. Fazit: Eine Geschichte, die oberflächlich betrachtet, nicht viel zu bieten hat, wird hier mit so viel Humor und Spritzigkeit erzählt, dass man sich in jedem Fall gut unterhalten fühlt. Vielleicht kann der ein oder andere sogar eine Botschaft mit nach Hause nehmen. Vielleicht die, dass die Zeit, die man mit seinen Kindern hat, der eigentliche Luxus ist.