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Interview mit Rob Stewart und Dr. Erich Ritter Das Interview wurde geführt von: Daniel Fürg Rob Stewart und Dr. Erich Ritter über den Film "Sharkwater" und die Gefährdung der Haie Was ist das Faszinierende an Haien? (Erich) Schönheit, Kraft, perfekte Evolution – für mich persönlich auch die Tatsache, dass die meisten Menschen Angst vor Haien haben. Da fragt man sich, warum das so ist. Mich fasziniert auch deren Körpersprache und wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten. Wenn man einen neuen Hund bekommt, ist das vergleichbar. In den ersten Wochen versteht man überhaupt nicht, was er möchte, aber mit der Zeit lernt man seine Körpersprache zu verstehen; weiß wann er hungrig ist oder einmal vor die Tür möchte. Das funktioniert auch bei Haien und wie das funktioniert, interessiert mich sehr. (Rob) Bei mir gibt es da viele Parallelen zu Erich. Haie unterscheiden sich so sehr von all den anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Sie sind hier länger als alle anderen. Wenn man eine Krone für den König des Planeten vergeben müsste, sollte sie an den Hai gehen. Haie haben zwei Sinne mehr als alle Lebewesen der Erde. Als ich klein war, liebte ich Dinosaurier und Haie sind mehr oder weniger die letzten dieser Art, die überlebt haben. Warum haben Menschen so viel Angst vor Haien? (Erich) Auf der einen Seite vereinen sie alle Ängste, die wir haben: Dunkelheit, Wasser und das unbehagliche Gefühl, den Meeresgrund nicht sehen zu können. All diese Ängste kommen bei den Haien zusammen. Auf der anderen Seite wird der Hai auch in den Medien ständig als Monster dargestellt. (Rob) Haie kommen aus dem tiefen, dunklen, unbekannten Ozean und als „Der weiße Hai“ in die Kinos kam, wusste eigentlich niemand wirklich etwas über diese Kreaturen. Durch diesen Film wurde den Menschen bewusst, dass diese Lebewesen gefährlich und unberechenbar sind. Jeder Hai wurde für die Menschen automatisch wie dieser im Film. Es gibt vermutlich viele Lebewesen, die sehr viel gefährlicher sind als Haie, aber sobald irgendetwas mit einem Hai passiert, kann man dies in allen Zeitungen lesen oder auch in den Nachrichten sehen. Bei einem tödlichen Schlangenbiss gibt es dagegen keinerlei Reaktion von den Medien. (Erich) Ja, es sterben zum Beispiel viele Zehntausende an Schlangenbissen jedes Jahr. (Rob) Es ereignen sich im Durchschnitt zwischen 80 und 90 Haibisse jährlich und die meisten davon sind noch nicht einmal wirklich gefährlich. (Erich) Es gibt kein anderes Raubtier auf diesem Planeten, das harmloser ist als der Hai. Es gibt keinen gefährlichen Hai; es gibt nur gefährliche Situationen, die von uns Menschen ausgehen. (Rob) Man kann so ziemlich jedes andere Tier nehmen, dem es möglich ist Menschen zu verletzen und man wird sehen, dass diese sehr viel mehr Menschen töten als Haie es tun: Löwen, Tiger, Elefanten, Büffel – sie alle töten mehr Menschen. (Erich) Letztes Jahr wurden 1500 Menschen durch Nilpferde getötet. Mein persönlicher Favorit ist allerdings, dass in New York letztes Jahr 1200 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, weil sie von anderen Menschen gebissen worden sind. Wie hat diese Begeisterung für Haie bei Ihnen beiden angefangen? (Rob) Als ich klein war, habe ich einen Goldfisch von meinen Eltern bekommen und als ich alt genug war, habe ich angefangen immer mehr Fische für das Aquarium zu kaufen. Ich habe immer größere Aquarien gekauft und immer größere Fische, bis ich irgendwann einen Wels hatte, der alle anderen Fische aufgefressen hat. Das fand ich richtig cool. Haie sind die größten Raubfische, die es gibt und ich, da ich keinen Drachen als Haustier haben konnte, habe ich mich irgendwann sehr für Haie interessiert. Ich hatte damals auch sehr viel Angst vor ihnen, weil jeder gesagt hat, dass sie sehr gefährlich sind, aber eben dies faszinierte mich und ich wollte diese Lebewesen unbedingt sehen. Mit neun Jahren habe ich dann meinen ersten Hai gesehen. Ich sah ihn nur für eine Sekunde und dann schwamm er davon. Ich habe mich dann natürlich gefragt, warum mich diese angeblich so gefährliche Kreatur nicht aufgefressen hat. (Erich) In meinem Fall war das Fernsehen schuld. Damals hat man noch geglaubt, was im Fernsehen gesagt wurde und als ich sieben Jahre alt war, sah ich eine Schwarz-Weiß- Dokumentation über Haie und was ich darin gesehen habe, hat nicht zu dem gepasst, was der Erzähler des Films gesagt hat. Mit zehn Jahren habe ich schon immer gesagt, dass ich irgendwann mit Haien sprechen werde. Zwei Jahre später habe ich meiner Mutter erklärt, dass ich Hai-Doktor werden möchte. Und jetzt weiß ich, dass der Erzähler in dieser Dokumentation damals Unrecht hatte. Wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben? (Erich) Ich bin spezialisiert auf dem Gebiet der Interaktion zwischen Haien und Menschen. Ich wollte herausfinden, warum Haie angeblich Menschen angreifen und habe dann immer mehr über die Körpersprache dieser Lebewesen gelernt. Wie kamen Sie auf die Idee diesen Film zu machen? (Rob) Ich war 20 Jahre alt und habe für die kanadischen Wildlife-Federation-Magazine als Chef-Fotograf gearbeitet. Bei einem Auftrag habe ich zweihundert sterbende Haie an knapp 100 Kilometern Langleinen gesehen, was mich aufgerüttelt hat. Das war in einem der letzten für Haie vermeintlich geschützten Gebiete. Wenn sie selbst hier getötet werden, muss es an anderen Orten noch viel schlimmer sein. Ich habe mir dann überlegt, ob ich die Menschen mit einem Film an dieses Problem heranführen kann. Ich wollte zuerst einen Unterwasser-Film über Haie machen - ohne Menschen-, aber dann kam doch alles etwas anders. Was kann unternommen werden, um die Haie zu retten? (Rob) Die Menschen wissen viel zu wenig darüber wie ernst die Situation der Haie ist. Im Jahr 2048 wird der gesamte Fischbestand kollabieren, wenn jetzt nichts unternommen wird. Das weiß allerdings fast niemand und somit geschieht auch viel zu wenig um diese Katastrophe abzuwenden. Es gibt ja zum Beispiel auch Delfin-freundlich gefangenen Thunfisch, aber niemand redet über die Haie… (Erich) Delfine sind niedlich, Pandabären sind auch niedlich und es fällt nicht schwer ein niedliches Tier zu beschützen, aber Haie sind das eben nicht. Die Menschheit kann ohne Wale leben, aber ohne den Hai können wir nicht überleben. Er kontrolliert das gesamte Ökosystem in den Ozeanen und das müssen wir dringend realisieren. Wie ernst ist die Situation für die Haie? (Erich) Sehr ernst. Wir müssen verstehen, dass es Jahre dauern wird, um etwas zu verändern. Jeden Tag verlieren wir mehr und mehr Haie. Es muss so schnell wie möglich etwas geschehen. (Rob) Haie bekommen auch nicht so viel Nachwuchs wie zum Beispiel der Thunfisch oder andere Lebewesen. (Erich) Und es dauert zehn bis fünfzehn Jahre bis ein Hai überhaupt Nachwuchs bekommen kann. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass er vorher schon umgebracht wird sehr hoch. Gesetze helfen hier fast nicht, weil man gegen die Mafia kämpft und die machen was sie wollen. (Rob) Man kämpft gegen eine millionenschwere Industrie und es kann nur dann etwas verändert werden, wenn man damit beginnt Schiffe zu versenken oder abzuschießen. Was würde geschehen, wenn die Haie verschwinden? (Erich) Es würde zu einem kompletten Zusammenbruch kommen. Ich möchte nicht mehr auf diesem Planeten leben, wenn die Haie verschwunden sind. (Rob) Der Hai ist der wichtigste Jäger in dem für unser Überleben wichtigen Ökosystem. Vielen Dank für das Interview! |
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