Interview mit Rick Kavanian

Das Interview wurde geführt von: Daniel Fürg

Rick Kavanian spricht über sich und seine Sprechrollen in "Triff die Robinsons"

Jetzt erneut ein Film und das sogar mit 4 verschiedenen Rollen. Woher kommt immer wieder der Antrieb mitzumachen?

Mir macht das wirklich sehr viel Spaß. Stimme und Sprache war schon immer etwas das mich begeistert hat. Ich bin als Kind mehrsprachig erzogen worden, meine Großmutter hat mit mir armenisch gesprochen, meine Eltern rumänisch und dann kam Englisch und Deutsch. Man entwickelt da irgendwann ein Ohr und im Radio konnte ich das damals ausprobieren und habe dann gemerkt, dass mir das irrsinnig gut gefällt. Beim Synchronsprechen, gerade hier bei „Triff die Robinsons“ sind die Charaktere total abgefahren.

Was für ein Typ ist dieser Onkel Fritz?

Der ist super. Dieser Onkel Fritz ist ein Typ mittleren Alters der seine eigene Ehefrau als Handpuppe immer mit dabei hat und ihr in gewisser Weise Leben einhaucht. Und dann diese Dialoge zwischen den Beiden: „Schatz, willst du nicht diese Nudeln essen?“ und Sie dann „Nein, ich will meinen Burger sonst werde ich dich verhaften lassen.“. Die Beiden sind unglaublich und ich war von diesen Charakteren absolut begeistert. Ich habe mich tierisch gefreut als man mich da gefragt hat.

Dann gibt es da ja auch noch Spike und Dimitri…

Rick Kavanian: Ja, das Haus der Robinsons hat zwei Eingangstüren und vor diesen Türen sitzen zwei „Agenten“ in Blumentöpfen mit Sonnenbrillen. Das sind Spike und Dimitri und jeder hat auf seiner Seite einen eigenen Klingelknopf und sie streiten sich immer auf welcher Seite der Gast klingeln soll. „Klingel bei mir“ „Nein, klingel bei mir“ „Klingel bei mir, geh weg von ihm“ – und so geht das die ganze Zeit. Die Idee dieser beiden Charaktere fand ich wirklich toll.

Ist bei vier verschiedenen Stimmen irgendwann der Punkt erreicht an dem man sich selbst nicht mehr auskennt?

Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt und ich versuche auch immer möglichst verschiedene Stimmen zu verwenden. Ich suche aus meinem Repertoire immer etwas heraus von dem ich denke, dass es ganz gut passt und dann versuche ich das auf die Situation anzupassen. Meistens funktioniert das dann auch ganz gut. Aber ich komme da nicht durcheinander.

Merkt man dem Film an, dass eine persönliche Verbindung zwischen der Story und dem Regisseur besteht?

Ja, das merkt man sehr. Allein schon wie die Figuren charakterisiert werden – jede ist ein ganz eigener und unabhängiger Charakter. Es ist ein wirklich toller Film und ich finde, dass er für Disney sehr modern und innovativ ist. Die ganze Familie ist so wunderbar selbsterklärend. Da lebt ein Dinosaurier mit einem Roboter und einer Krake zusammen. Alle leben zusammen und sind füreinander da und das wird dem Zuschauer sofort klar.

Was würden Sie machen wenn Sie einen solchen Gedankenscanner hätten wie ihn Lewis erfunden hat, in welches Gedächtnis würden Sie sehen wollen?

Ich weiß gar nicht ob ich so gerne bei anderen hineinschauen wollen würde. Ich wünsche mir da eher, dass ich mich selbst besser an gewisse Dinge erinnern könnte. Einfach mal nachsehen was man an dem und dem Tag gemacht hat, das wäre schon toll.

Was genau würden Sie sich da gerne noch einmal ins Bewusstsein rufen?

Mich würde sehr interessieren was zwischen meinem dritten und sechsten Lebensjahr geschah. Ich höre immer Leute erzählen was Sie in diesem Alter gemacht haben und ich kann mich da überhaupt nicht mehr erinnern.

In welche Zeit würden Sie reisen wenn Sie eine Zeitmaschine zur Verfügung hätten?

Ich fände hundert Jahre in die Zukunft, also ins Jahr 2107 sehr spannend. In den letzten hundert Jahren hat sich so viel verändert und es ist so viel unglaubliches geschehen und das auf allen Gebieten. Da fragt man sich ob das so weitergehen wird oder ob sich das verlangsamen wird. Das fände ich wirklich sehr interessant. Wie schnell werden Computer? Wie schnell wird die Kommunikation oder bricht sie komplett zusammen? Alles wird immer schneller aber wo wird das aufhören und wie schnell verträgt der Mensch überhaupt?

Wo liegen die Unterschiede bei der Synchronisation einer realen und der Synchronisation einer animierten Figur und welche Arbeit ist komplizierter?

Ich glaube, dass es keinen Unterschied gibt. Ein Kollege hat einmal gesagt, dass wir eigentlich keine Synchronsprecher sondern vielmehr Synchronschauspieler sind und das sagt eine ganze Menge aus. Man kann nicht einfach vor dem Mikro sitzen und den Text vorlesen. Man muss aufstehen und spielen auch wenn man keine Kamera und keine Requisiten hat. Nach einem Drehtag sollte man deshalb auch als Synchronsprecher komplett durchnässt und fertig sein. Als ich zum Beispiel „Austin Power“ synchronisiert habe war ich nach jedem Tag total fertig, weil dieser Mensch eine solch unglaubliche Action gebracht hat. Man muss schreien, fallen, stürzen und da benötigt man sehr viel Kraft. Das ist bei animierten Filmen aber auch und deshalb sind die Unterschiede da nicht sehr groß.

Würden Sie als nächstes gerne wieder synchronisieren oder wieder einmal als Schauspieler arbeiten oder vielleicht beides parallel machen?

Also sehr gerne beides parallel. Mir macht es im Moment sehr viel Freude, dass ich die Möglichkeit habe diesen Mix aus beiden Bereichen zu machen. Ich kann auf der Bühne mein Soloprogramm spielen, ich kann Kino machen und dieser Wechsel macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Hätte es in „Triff die Robinsons“ noch andere Figuren gegeben, die Sie gerne gesprochen hätten?

Ja, am liebsten alle. Ich weiß nicht ob ich es gekonnt hätte, es ist sehr schwer als Mann verschiedene Frauenrollen zu sprechen aber ich hätte es ganz gerne versucht.

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter?

Für mich ist es definitiv Onkel Fritz. Diese unglaubliche Konstellation mit der Handpuppe ist einfach genial.

Vielen Dank für das Interview!