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Interview mit Niels Laupert Das Interview wurde geführt von: Daniel Fürg Niels Laupert über sich und seine Regiearbeit "Sieben Tage Sonntag" Welchen Eindruck hattest Du von dieser Story als Du darüber in einem Artikel in einer Ausgabe des SZ Magazins gelesen hast? Was hat Dich dann dazu bewegt einen Film darüber zu drehen? Mich hat die Geschichte wahnsinnig beeindruckt, ich fand, dass es ein sehr harter Stoff war und ich habe mich gefragt wie es eigentlich so weit kommen kann, dass so etwas passiert. Ich fand diesen Artikel, der ja eigentlich sehr nüchtern geschrieben war, sehr interessant. Wie hat die Autorin des Artikels reagiert, als Du ihr gesagt hast, dass Du einen Film darüber machen möchtest? Die fand das super. Da das ja keine fiktionale Geschichte war hatte sie natürlich keine Rechte daran und sie war dann auch so nett und hat mir all ihre Materialien gegeben, das war sehr hilfreich, weil sie damals schon einen Täter, die Großmutter, Leute im Umfeld, Polizeipsychologen und den Richter interviewt hatte. Dadurch hatte ich bereits eine sehr gute Basis um mit dem Schreiben zu beginnen. Welchen Eindruck hattest Du von den Tätern, als Du sie im Gefängnis besucht hast? Ich war sehr von den Verhältnissen in den Gefängnissen überrascht, denn wenn ich das so gezeigt hätte wie schlimm es dort wirklich ist, hätte mir das im Film keiner geglaubt und jeder hätte gedacht, dass ich übertreibe. Die Täter sitzen nun bereits seit zehn Jahren und denken natürlich nicht jeden Tag an ihre Tat. Sie wurden auch in unterschiedlichen Gefängnissen untergebracht. Der eine hat sich sehr schnell wieder in das Thema gefunden und konnte berichten, der andere hingegen stand der Tat sehr distanziert gegenüber und bereute auch nichts, während der andere eher ein Verdrängungsprinzip hatte und so tat als hätte er nie etwas gemacht. Letztendlich ist es auch sehr schwierig sich dort mit unseren sozialen Denkstrukturen hineinzufinden, denn das Wort „Mitleid“ kenn sie nur theoretisch, wir haben von unseren Eltern gelernt was Mitgefühl und Mitleid ist und können das auch auf andere projizieren. Liegt die Schuld, dass es zu einer solchen Tat kommen konnte vielleicht auch daran, dass man sich damals zu wenig um deren Probleme gekümmert hat? Ich denke sicherlich, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten für eine Erklärung gibt, aber das war für mich eigentlich gerade das Spannende, dass ich eben nicht versucht habe irgendwelche Gründe aufzuzeigen, denn sonst würde man ein Motiv zeigen und den Mord irgendwie auch rechtfertigen. Es kann immer tausend Gründe oder keinen geben und ich denke, dass es für eine Mord keine Erklärung und somit auch keine Entschuldigung gibt. Es gibt im Film zwar immer wieder kleine Nadelstiche wie zum Beispiel das Mädchen oder der eine wird arbeitslos und der Vater sitzt auch im Gefängnis, die Umstände wie sie groß geworden sind. Ich wollte keinen moralischen Film machen, der Entschuldigungen zeigt. Ich denke jeder hat die Möglichkeit der freien Entscheidung und des freien Willens und muss nicht genauso werden wie zum Beispiel der Vater. Wie lange hast du insgesamt Informationen gesammelt bevor du mit dem Schreiben des Drehbuchs angefangen hast? Das ging fließend. Ich habe angefangen aufgrund der Informationen der Journalistin zu schreiben und dann habe ich weitergearbeitet und versucht die beiden im Gefängnis in Polen zu besuchen, was wahnsinnig schwierig war, weil einer dann gesagt hat, dass er nicht mehr möchte und bei dem hat es dann noch ein Jahr länger gedauert. Haben sich die Aussagen der Täter zwischen Deinem Interview und dem der Journalistin geändert? Bei meiner Hauptfigur war es so, dass er sich damals wie ein Held gefühlt hat und er wie in einem Rausch war. So ist er heute gar nicht mehr. Er nimmt sich zwar immer noch psychologisch gesehen kaum war und hat ein komisches Gefühl zu sich selbst, aber er behauptet heute, dass er gar nichts mehr gemacht obwohl er damals darauf bestand als Haupttäter genannt zu werden. Wie hast Du die Schauspieler für die Hauptrollen gefunden? Das war sehr schwierig, weil es keine Schauspieler gibt die mit ihren 16 Jahren schon auf einer Schauspielschule waren. Da gibt es dann nur die Möglichkeit Talente zu finden. Wir haben in Köln, München und Berlin gecastet und haben eigentlich alle in Berlin gefunden. Wie ist es wenn man nach so vielen Musikvideos, die maximal um die fünf Minuten lang sind seinen ersten eigenen Langfilm mit 80 Minuten auf der Leinwand sieht? Aufregend. Ich habe ihn jetzt schon ein paar Mal auf der Leinwand gesehen, weil ich ja auch gemischt und geschnitten habe, aber natürlich war es eine sehr spannende Sache den Film bei der Premiere dann vor so vielen Leuten zu zeigen. Man ist jedoch natürlich auch sehr selbstkritisch. Ich stecke jetzt seit vier Jahren in der Produktion des Films, weil wir mit dem Budget eines Kurzfilms einen Film gemacht haben, der ja eigentlich nach viel mehr aussieht, auch von den technischen Mitteln her. Ich freue mich jetzt natürlich, dass wir fertig sind und es geschafft haben, das ist ein schönes Gefühl. Wie hat das Publikum bei der Premiere auf den Stoff reagiert? Ich habe das Gefühl, dass die Reaktionen sehr gut waren. Wir haben auch bis jetzt eine ganz gute Presse. Aber für mich selbst ziehe ich da auch immer etwas ab, da ich nicht glaube, dass jemand zu mir kommen und mir sagen würde, dass ich einen sehr schlechten Film gemacht habe. Mir war sehr wichtig einen Film zu machen, der trotz eines sehr sperrigen Themas sein Publikum findet und auch emotional funktioniert. Vielen Dank für das Interview! |
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