Interview mit Jessica Schwarz

Das Interview wurde geführt von: Daniel Fürg

Jessica Schwarz über "Die Wilden Hühner und die Liebe"

Kannten Sie die Bücher von Cornelia Funke bevor Sie von der Verfilmung des Stoffes hörten?

Ehrlich gesagt kannte ich die Bücher nicht aber „Tintenherz“ von Cornelia Funke war mir bekannt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass meine Schwester zwei Jungs hat, die sind auch noch nicht wirklich im passenden Alter für „Die Wilden Hühner“ sind.

Wie kamen Sie damals zu den „Wilden Hühnern“?

Ich bin damals angefragt worden. Ich habe mit der Produzentin Uschi Reich zuvor „Kammerflimmern“ gedreht und sie hat mich dann gefragt ob ich Lust hätte. Und ich wollte dann auch mitmachen, weil ein Kinderfilm noch einmal eine ganz andere Form des Schauspielens ist. Man muss sich ganz anders konzentrieren und unter Kontrolle halten. Ich fand es auch sehr spannend eine solch autoritäre Person spielen zu dürfen und hatte da ein wenig Michelle Pfeiffer in „Dangerous Minds“ als Vorbild, aber das ist gar nicht so einfach. Im Nachhinein bin ich ganz froh, dass ich Schauspielerin und nicht Lehrerin geworden bin.

Hatten Sie für Ihre Rolle, Frau Rose, ein Vorbild aus Ihrer Schulzeit?

Ich hatte komischerweise nie wirklich Lehrerinnen, sondern immer nur Lehrer. Meine erste Lehrerin war etwas älter, sehr streng und hat uns allen damals den Spaß an der Schule genommen. Uns wurde damals zur Strafe ja auch noch mit dem Lineal auf die Finger geschlagen und wir sind auch an den Ohren gezogen worden. Nach ihr kamen wir dann, nach zwei Jahren, zu einer sehr netten Lehrerin, die auch versucht hat uns alle etwas aufzubauen, damit wir wieder Lust bekommen in die Schule zu gehen.

Wie würden Sie „Die Wilden Hühner“ beschreiben?

Ich finde sehr schön, dass bei der Geschichte jeder Charakter vollkommen anders ist. Jede von ihnen beschäftigt sich mit ihren ganz eigenen Dingen und Problemen. Jetzt, beim zweiten Teil geht es auch schon ein wenig ernster zur Sache und die Probleme werden auch etwas komplizierter. Die Mädels werden ehrlicher und zicken sich auch einmal an.

Haben Sie in diesem Film eine Lieblingsszene?

Ich hatte wahnsinnig viel Spaß bei den Szenen, die im Theater gespielt haben. Ich habe den Film in der endgültigen Fassung bisher noch nicht gesehen und deshalb bin ich sehr gespannt darauf wie das im Endeffekt dann geworden ist. Wir haben das fast chronologisch gedreht und man konnte dabei sehr gut die Entwicklung des Bühnenbilds und der Kleidern sehen.

Wie würden Sie Vivian Naefe als Regisseurin beschreiben?

Für mich war Vivian so großartig, weil ich Sie als Vorbild für die Szenen, als ich die Theaterregisseurin spielte genommen habe. Ich wollte immer so sprechen wie Vivian das mit den Kindern gemacht hat. Es war eine ganz tolle Leistung von ihr, wie sie diese große Schar von Kindern unter Kontrolle gehalten hat, ohne jemals die Nerven zu verlieren. Es hatten auch alle immer sehr viel Spaß bei der Arbeit und Vivian konnte die Kinder immer motivieren.

Wie real sind die „Wilden Hühner“?

Das Schöne an diesen Geschichten ist, dass sie Kinder dazu motivieren etwas ähnliches zu machen. Der Film zeigt wie wichtig es ist ein Band von Freunden zu haben auf die man sich verlassen kann und sie alle haben ja auch ihre Macken, aber sie lernen damit umzugehen. Das fördert auch die Freundschaft und den Zusammenhalt - das ist eine sehr reale Geschichte. Ich finde es auch sehr authentisch wie sie mit vielen Themen umgehen, zum Beispiel auch mit Homosexualität hier im zweiten Teil.

Hatten Sie in Ihrer Jugend eine vergleichbare Bande wie die „Wilden Hühner“?

Ja, also es gab immer verschiedene. Ich war schon immer sehr lange mit den gleichen befreundet, aber das war auch immer schwierig wenn sich die Klassen dann getrennt haben. Das war oft von den Klassen abhängig, weil man da dann oft auseinandergerissen wurde. Aber es gab immer eine Gruppe mit der ich zusammen war.

Wie unterscheiden sich schauspielernde Kinder von schauspielernden Erwachsenen?

Schauspielernde Kinder haben eine unberechenbare Natürlichkeit an sich. Also da kann ein Take komplett anders sein als der andere und man kann nicht erwarten, dass immer alles auf Anhieb klappt. Wenn man dann mit Kindern spielt ist es oft sehr schwer die Konzentration zu halten, weil es plötzlich wieder alles ganz anders war. Man muss da versuchen genauso spontan zu agieren.

Macht es mehr Spaß einen Kinderfilm zu drehen oder dann doch eher einen Film für Erwachsene?

Das kann man so nicht sagen. Wenn man einen Kinderfilm dreht dann haben sich die Kinder da untereinander sehr stark und man kann als Erwachsener froh sein wenn man ein bisschen mit einbezogen wird. Ich bin dann auch sehr neugierig und habe mich dafür interessiert was sie machen und denken. Arbeit mit Erwachsenen ist natürlich etwas ganz anderes weil man dann mehr Leute zum Reden hat und man auch über ganz andere Themen spricht. Meistens sind mir Erwachsenenfilme dann doch lieber, weil da eine ganz andere Thematik angesprochen wird.

Vielen Dank für das Interview!