Filmtest Februar - Im Tal von Elah

Direkt zu: Inhalt - Kritik - Punkte

Inhalt:
Als Mike Deerfield (Jonathan Tucker) nach seinem 18 Monate andauernden Einsatz im Irakkrieg spurlos verschwindet, macht sich sein Vater Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) auf die Suche nach seinem vermissten Sohn. Da sich die Behörden in ihren Zuständigkeitsbereichen nicht ganz einig sind, stellt Hank nach kurzer Zeit eigene Ermittlungen an. Im Verlauf des Filmes unterstützt ihn, gegen den Willen der Behörden, die junge Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron). Diese hat Mitleid mit dem teils humorvollem aber auch sehr steifen pensionierten Berufssoldaten. Schon nach kurzer Zeit lässt das rätselhafte Verschwinden von Mike die Frage aufkommen: „ Wurde Mike von seinen eigenen Mitgliedern des Platoons ermordet?“

Kritik:
Paul Haggis zeigt in diesem sehr intensiven Film die wahre und lang anhaltende Zerstörungskraft, welche unter anderem in den Irakkriegen an den daran beteiligten Soldaten verübt wurde. Ganz im Gegensatz zu seinem letzten Film „L.A. Crash“, welcher aus schnellen und Action geladenen Handlungssträngen bestand, die häufig parallel zueinander liefen, wird dieser Film in sehr langen und emotionalen Bildern vermittelt. Der Film „Im Tal von Elah“ konzentriert sich ganz allein auf Hank Deerfield (Tommy Lee Jones), welcher verzweifelt nach seinem vermissten Sohn sucht. Das höchst umstrittene Thema „Irakkrieg“ wird hiermit noch einmal ganz bewusst in das Gedächtnis des Zuschauers gerufen. In äußerst ruhigen und kritischen Bildern schildert der Film die Erlebnisse von Mike Deerfield (Jonathan Tucker) während seines Irak-Einsatzes. Paul Haggis verdeutlicht mit diesem eindrucksvollen Werk, wie stark die Folgen für die im Krieg eingesetzten Soldaten sind. Im Verlauf des Filmes wird klar, dass die dort erlebten Situationen nicht in dem jeweiligen Land zurück bleiben, sondern mit in die Heimat reisen und dort noch lange Zeit später ihre Konsequenzen tragen werden. Kein anderer Schauspieler als Tommy Lee Jones hätte besser auf die Rolle des Vietnamveterans Hank Deerfield gepasst. Die teilweise zynische und arrogante Art kommt so überzeugend rüber, dass man schnell nachvollziehen kann, weshalb Hank teilweise so leicht mit einigen doch sehr harten Situationen umgeht. Man erkennt rasch, dass Hank trotz seiner harten Schale ein sehr verletzlicher und sympathischer Mensch ist. Aber auch die Rolle von Emily Sanders wird sehr überzeugend von Charlize Theron gespielt. Emily, die alleinerziehende Mutter, hegt schon nach kurzer Zeit Zweifel an dem nach außen hin nichts sagenden Verschwinden von Mike Deerfield. Der sich daraus ergebende Zwiespalt zwischen den einzelnen Behörden wird in brillanter Form dargestellt. In teilweiser ironischer und herablassender Art setzt sie ihren Willen durch und versucht ihren Vorgesetzten zu beweisen, dass auch Frauen in der Lage sind, komplizierte Fälle zu lösen. Der Film „Im Tal von Elah“ lässt einen, trotz seiner recht langen und ruhigen Erzählweise, immer wieder in den Sessel sinken und einen fassungslos zusehen, welche krassen Gegensätze und Vorgehensweisen in der Army gepflegt werden. Man versteht nach und nach, wie stark viele Bereiche durch Korruption, Lügen und falschem Patriotismus geprägt sind. Man möchte am liebsten aufspringen und die Leute „wachrütteln“. Jedoch erkennt man zum Ende, dass dies noch nicht mal möglich wäre, wenn man direkt im Geschehen dabei gewesen wäre. Diese Geschichte, welche sich durchaus in den Vereinigten Staaten hätte abspielen können, beweist mal wieder, dass Paul Haggis ein enormes Feingefühl in der Vollendung seiner Werke besitzt.

Punkte:

Autor: Julian Marwitz