Inhalt: „Ihr seid also der Meinung,
dass ne Diktatur
heute in Deutschland
nicht mehr möglich
wäre?“ - diese Frage
stellt Rainer (Jürgen Vogel)
den Teilnehmern seines Autokratiekurses.
Schnell sind
sich alle einig, dass die Allgemeinheit
viel zu aufgeklärt
ist, um noch einmal auf
eine Person wie Adolf Hitler
hereinzufallen. Rainer traut
dieser Aussage nicht so recht
und möchte mit der Klasse
ein Experiment durchführen.
Die Schüler bestimmen ihn
als Leitfigur, als Führer. Sie
müssen ihn von nun an mit
„Herr Wenger“ ansprechen,
nicht mehr nur mit dem Vornamen,
wie sonst üblich. Jeder
muss aufstehen, wenn er
etwas zu sagen hat und aufgerufen
wird. Zunächst wirkt
alles noch sehr harmlos,
aber schon am nächsten Tag
nimmt das Experiment seltsame
Züge an. Als Rainer die
Klasse betritt stehen alle geschlossen
auf und begrüßen
ihn. Das sonst übliche Chaos
ist scheinbar durch strenge
Disziplin abgelöst worden.
Nach „Macht durch Disziplin“
soll nun „Macht durch Gemeinschaft“
angestrebt werden.
Von nun an müssen alle
Schüler ein weißes Hemd tragen,
wenn sie Teil der Gruppe
sein möchten und schon
am Tag darauf gibt man der
Bewegung einen Namen: die
Welle.
Rainer ist sich nicht sicher,
ob das schon zu weit geht,
aber er selbst wird von der
Gemeinschaft mitgerissen
und übersieht all die negativen
Aspekte der Welle.
Schon bald breitet sich die
Gruppierung immer weiter
aus und Personen, die nicht
dazu gehören werden kurzerhand
nicht mehr beachtet. So
werden Freunde mit denen
man sich vor dem Experiment
noch gut verstand schnell zu
Feinden der Bewegung. Man
kreiert ein Logo und verbreitet
dieses in der gesamten
Stadt und am vierten Tag
des Projekts wird ein eigener
Gruß eingeführt. Die Welle
hat inzwischen die gesamte
Schule erfasst und führt bereits
zu kritischen Diskussionen
innerhalb der Lehrerschaft;
nur wenige Schüler
können sich dem Druck der
Gemeinschaft entziehen.
Rainers Frau Anke (Christiane
Paul), ebenfalls Lehrerin,
ist wütend, da die Welle immer
größere Kreise zieht. Als
plötzlich Tim (Frederick Lau)
vor deren Haustür auftaucht
und seine Dienste als Leibwächter anbietet bemerkt
auch Rainer, dass dringend
etwas geschehen muss, um
die Bewegung zu stoppen.
Doch liegt es noch in seiner
Macht, die Welle zu stoppen?
Kann er seine Schüler wieder
zur Vernunft bringen oder
werden sie seine Warnungen
ignorieren?
Kritik: Im Herbst 1967 führte
der Geschichtslehrer Ron
Jones an der Cubberley
High School im kalifornischen
Palo Alto ein Experiment in
seiner Klasse durch. Er hielt
eine Stunde über den Nationalsozialismus
ab und irgendwann
bekam er die Frage, wie
es Menschen gegeben haben
kann, die behauptet haben,
dass sie nichts von den Grauen
der Konzentrationslager
gewusst hätten. Jones hatte
keine Antwort auf diese Frage
und startete daraufhin das
Projekt „The Third Wave“.
Die Schüler reagierten mit
Begeisterung auf den geforderten
Autoritätsgehorsam
und schon bald wurden Personen,
die sich weigerten
Mitglied zu werden zusammengeschlagen.
Am fünften
Tag musste Jones das Projekt
abbrechen.
Wissenschaftlich ist der Grund
für derartigen extremen Autoritätsgehorsam
nicht ausreichend
erforscht. Es gab
neben „The Third Wave“ auch
bereits zahlreiche andere Experimente,
die alle versucht
haben dieses Phänomen zu
erklären. So hat man zum
Beispiel 1971 an der Universität
Stanford versucht das
menschliche Verhalten unter
den Bedingungen der Gefangenschaft
zu dokumentieren.
Der Psychologe Stanley
Milgram hat in einem anderen
Experiment im Jahr 1962
bereits die Bereitschaft von
Personen, autoritären Anweisungen
auch dann Folge zu
leisten, wenn sie in direktem
Widerspruch zu ihrem Gewissen
stehen untersucht. Die
Ergebnisse der Experimente zeigen allesamt, dass Menschen unter gewissen
Bedingungen zu Taten bereit sind, die sie
sonst nie in Erwägung ziehen würden. Auch
Ron Jones hat das festgestellt und auf seinen
Erlebnissen beruht der Jugendbuchklassiker
„Die Welle“, der heute bereits zur Standardlektüre
eines jeden Schülers gehört. Um an
die Rechte dieser Geschichte zu kommen opferte
Produzent Christian Becker rund zwei
Jahre. Aber schließlich hat sich seine Hartnäckigkeit
ausgezahlt und sein Freund Dennis
Gansel konnte diese Story für die Leinwand
inszenieren. Zuvor hatte Gansel mit
Peter Thorwarth das Drehbuch geschrieben
und dabei sehr viel wert auf die einzelnen
Charaktere gelegt. Der Zuschauer sollte sich
später in die Situationen und Figuren hineinversetzen
können um deren Erlebnisse mitzufühlen.
Das ist im Endeffekt dann nicht
zuletzt auch dank der grandiosen Besetzung
gelungen: Deutschlands Ausnahmeschauspieler
Jürgen Vogel zusammen mit einer
Auswahl aus den talentiertesten Nachwuchsschauspielern,
die dieses Land zu bieten hat.
Frederick Lau, Max Riemelt, Jennifer Ulrich
- sie alle spielen ihre Rollen so glaubwürdig,
dass man zeitweise das Gefühl hat eine Dokumentation
zu sehen.
Schon sehr früh war den Verantwortlichen
klar, dass die Rolle des Lehrers von Vogel verkörpert
werden muss. Sie haben sich überlegt,
wen sie selbst gerne als Lehrer gehabt
hätten und landeten bei ihm. Als er zusagte,
wurde die Rolle auf ihn zugeschnitten.
Als Zuschauer wird man an seinen Kinosessel
gefesselt und folgt fasziniert den Ereignissen.
Erst zum Ende hin wird man regelrecht
wach gerüttelt und erkennt, wie schockierend
das Ganze eigentlich ist. Man realisiert
wie real und greifbar das Verhalten dieser
Schülergruppe ist, dass sich das jederzeit
auch tatsächlich zutragen könnte. Dieser
Film beschäftigt einen noch lange nach dem
Abspann und genau das ist auch gut, denn
nur so wird klar, dass es nie wieder zu einer
Diktatur kommen darf. Viel zu groß ist die
Gefahr, dass die Macht von dieser einzelnen
Person erneut missbraucht werden könnte.
Natürlich wird man sagen, dass so etwas bei
uns nie wieder möglich wäre, aber das haben
schließlich auch die Schüler von Jones Experiment
behauptet, bevor sie eines besseren
belehrt wurden.
„Die Welle“ sollte auf jeden Fall gesehen
werden. Der Film ist noch greifbarer als die
Lektüre und somit deutlich realer. Auch wenn
das Buch eher von Jugendlichen gelesen wird
gibt es bei diesem Film keine Altersgrenze
nach oben. Eigentlich sollte diesen Film jeder
sehen, um zu begreifen wie sich etwas
derartiges entwickeln kann.