Die Perlmutterfarbe    
 
Originaltitel: Die Perlmutterfarbe
Kinostart (Deutschland): 08.01.2009
FSK: 6
Länge: 103 Minuten
Verleih: Constantin Film
Regisseur: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Markus Krojer, Dominik Nowak, Benedikt Hösl, u.v.a.
Drehbuch: Christian Lerch, Marcus H. Rosenmüller
 
Inhalt:
Der Schüler Alexander (Markus Krojer) würde so gerne den großen Malwettbewerb seiner Schule gewinnen, um seiner Mitschülerin Lotte (Zoe Mannhardt) zu imponieren, in die er verliebt ist. Nach Schulschluss verbringt Alexander seine Zeit am liebsten mit ein paar Klassenkameraden, zu denen neben Lotte auch sein bester Freund und Klassentüftler Maulwurf (Dominik Nowak) gehört. Als der Zufall ihm Maulwurfs neueste Erfindung, die Perlmutterfarbe, in die Hände spielt, gerät Alexanders Leben aus den Fugen. In der Klasse wird fieberhaft nach dem Dieb gefahndet, aber statt mit der Wahrheit rauszurücken, greift Alexander zu einer Notlüge. Gruber (Benedikt Hösl), ein unliebsamer Klassenkamerad, deckt Alexander und nutzt dessen Abhängigkeit für seine Zwecke. Geschickt lenkt er den Verdacht auf die Parallelklasse und tritt eine Hetzkampagne los. Alexander verstrickt sich in ein Lügengespinst und entfernt sich immer weiter von Maulwurf und seinen Freunden, während Gruber die beiden Klassen hinterhältig gegeneinander ausspielt...
 
Kritik:
Basierend auf dem Buch „Die Perlmutterfarbe“ von Anna Maria Jokl, versucht sich Regisseur Marcus H. Rosenmüller an einer Geschichte über Freundschaft, Lüge und Wahrheit aus der Perspektive von Kindern. Bereits durch sein Kinodebüt „Wer früher stirbt, ist länger tot“ hatte sich dieser einen Namen gemacht und wagt sich in seinem Fortgängerfilm wieder an eine Story über junge Menschen, die trotzdem alle Generationen ansprechen soll. Anna Maria Jokl schrieb „Die Perlmutterfarbe- ein Kinderroman für fast alle Leute“ in den dreißiger Jahren im Prager Exil. Im Mikrokosmos einer Schule fängt sie die drohende Welt des heraufziehenden Nationalsozialismus ein, vor der sie 1933 aus Berlin geflohen war. Erzählt wird vom Gegeneinander zweier Schulklassen, vom Prozess einer Gruppenbildung, bei dem aus Lüge und Feigheit Verleumdung und Verrat entstehen. Es geht um Machtgier und Mitläufertum und um den Versuch einzelner, trotz alledem die eigene Integrität zu wahren. Diese sehr ernste Thematik katapultiert der Regisseur in ein verschneites, bayerisches Dorf, womit er seine Heimatfilm-Reihe weiter fortführt. Wie im Roman spielt der Film im Jahre 1931. Subtile Andeutungen an den Nationalsozialismus sind an vielen Stellen im Film erahnbar, Stimmung und Kleidung der Darsteller deuten es an, auch wenn der Regisseur die heranziehende Zeit nicht bewusst thematisiert, um die Grundthematik des Filmes nicht zu unterlaufen und die subtile Symbolik versteckt einzusetzen. Wie bereits in „Wer früher stirbt, ist länger tot“ spielt Markus Krojer die Hauptrolle als frechen Lausbub, der durch eine Notlüge in eine extrem brisante Situation gerät. Alexander ist schwer verliebt in Lotte, deswegen will er auch unbedingt den Malwettbewerb gewinnen, da er damit Lotte sicherlich beeindrucken kann. Der Zufall will es so, dass Alexander an eine perfekte Vorlage für den Malwettbewerb unter dem Motto der „Der Beruf meines Vaters“ und an die von Maulwurf kreierte Perlmutterfarbe gerät. Um beides zu behalten, muss Alexander lügen, um in der Klasse nicht als Dieb aufzufliegen. Sein Klassenkamerad Gruber bekommt dies aber mit und erpresst Alexander mit seinem Wissen. In Wirklichkeit nutzt Gruber aber dessen Unsicherheit und Angst, um seine faschistoiden Pläne umzusetzen und die beiden Parallelklassen gegeneinander aufzuhetzen.... Markus H. Rosenmüller verpackt seine Version des Romans mit viel Ironie, Humor und schafft es eine Geschichte für Kinder und Erwachsene zu basteln. Ob es nun abenteuerliche Kinderabenteuer oder das ernste Thema des Faschismus und seine magnetische Anziehungskraft in der Gruppendynamik sind, als Zuschauer ist es einem überlassen seine eigene Schablone über den Film zu legen und darüber nachzudenken. Doch bei all dem Lob muss doch erwähnt werden, dass der Film auf manchen Ebenen zu übertrieben moralisch wirkt und die faschistoiden Züge des Filmes sehr stark an „die Welle“ erinnern lassen. Klar konzentriert sich der Regisseur auch auf die menschliche Ebene, was denn passieren könnte, wenn man sich zu sehr in Notlügen verstrickt und nicht mehr rauskommt. Zieht man seinen Kopf noch mal aus der Schlinge? Und was passiert, wenn ein Kind in eine derartige Situation gerät? Prinzipiell eskaliert die Situation im Film am Ende in einer Weise, dass das moralische, positive Ende etwas unglaubwürdig und zu idealistisch erscheint. Doch der Film gewinnt vor allem durch seine bayerische Herzlichkeit, nett inszenierte Haupt- und Nebendarsteller, ein schönes Panorama, verbunden mit einer Prise Ironie.
 
Punkte 6 von 10 mögl. Punkten
Autor: Christina Theodoridou
 
 
 
 


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