Der seltsame Fall des Benjamin Button    
 
Originaltitel: The Curious Case Of Benjamin Button
Kinostart (Deutschland): 29.01.2009
FSK: 12
Länge: 166 Minuten
Verleih: Warner Bros. Pictures
Regisseur: David Fincher
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Tilda Swinton, u.v.a.
Drehbuch: Robin Swicord, Eric Roth
 
Inhalt:
New Orleans August 2005: Während Hurrikan Katrina unaufhaltsam auf die Golfküste zusteuert, fordert die im Sterben liegende Daisy (Cate Blanchett) ihre Tochter Caroline (Julia Ormond) auf, ihr aus einem Buch vorzulesen. Es ist das Tagebuch von Benjamin Button (Brad Pitt), dessen Leben untrennbar mit Daisys verwoben gewesen ist. „Ich bin unter außergewöhnlichen Umständen geboren“. Mit diesem Satz beginnt die Lebensgeschichte von Benjamin. Die Filmfassung einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald aus den 1920er- Jahren. Ein Mann kommt 1918, am letzten Tag des ersten Weltkrieges, als über 80-jähriger Greis auf die Welt und wird immer jünger. Seine Mutter stirbt nach der Entbindung und sein Vater Thomas Button (Jason Flemyng) weiß sich nicht anders zu helfen als das Kind auszusetzen, erschrocken durch das Baby in der greisenhaften Erscheinung,. Die farbige Altenpflegerin Queenie (Taraji P. Henson) findet das Baby auf ihrer Treppe liegend und zieht es wie ihren eigenen Sohn auf. In dieser Umgebung trifft Benjamin auch das erste Mal auf Daisy (später: Cate Blanchett), die geistig seinem Alter entspricht. Als Benjamin körperlich immer jünger wird, arbeitet er auf einem Boot von Captain Mike (Jared Harris), er hat eine Affäre mit der Ehefrau eines britischen Spions (Tilda Swinton) und er wird auch in eine Seeschlacht zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges involviert. Während seiner Reisen bleibt er immer mit Daisy postalisch im Kontakt. Daisy hat mittlerweile eine Karriere als Balletttänzerin angefangen. Als beide sich auf das gleiche Alter zu bewegen, treffen sie einander wieder in New Orleans…
 
Kritik:
Das Leben würde unendlich viel glücklicher verlaufen, wenn wir mit 80 geboren und uns langsam auf 18 zu bewegen würden“ – ein Zitat von Mark Twain. Diese Aussage inspirierte Autor F. Scott Fritzgerald zu seiner ungewöhnlichen Kurzgeschichte. Regisseur David Fincher beschäftigte sich schon seit Jahren mit dieser Geschichte und deren visueller Umsetzung, doch sie galt lange als zu ambitioniert, um sie zu verfilmen. Doch 2009 kommt nach Zodiac (2007) der neue Film von David Fincher in die Kinos. Komisch ist es schon, dass Fincher die Rechte zu diesem Film bekam, nachdem seine letzten Filme sich eher um das Thema Gewalt und das Böse drehten und von düsteren und dunklen Kulissen geprägt waren. Zu sehen beispielsweise im genre- inspirierenden Film Se7en (1995), dessen Titelsequenz in die filmische Geschichte eingegangen ist. Wie auch in der zynischen Gesellschaftssatire Fight Club (1999) oder im perfiden Spiel in The Game (1997), sowie auch im Belagerungsterror in Panic Room (2002). Doch es scheint, dass Fincher seit seinem letzten Film Zodiac (2007) epischer in seinem filmischen Schaffen geworden ist. Die Storyentwicklung ist ruhiger und präziser geworden. Er legt seinen Fokus noch mehr auf das Detail. Drehbuchautor Eric Roth konzipierte die Geschichte. Er war schon für das oskarprämierte Drehbuch von Forrest Gump (1994) verantwortlich. Dies erklärt auch die Parallelen der beiden Filme: Ein intimes Portrait vor dem Hintergrund epischer Geschichten und Kulissen, durch David Finchers Detailversessenheit perfekt inszeniert. In New Orleans werden wir Zeuge der Lebensgeschichte von Benjamin, vom Ende des ersten Weltkrieges 1918 bis ins 21. Jahrhundert – einer Lebensgeschichte wie sie ungewöhnlicher gar nicht sein könnte. Das grandiose Schicksalspanorama eines Mannes und der Menschen, denen er auf seinem Lebensweg begegnet. Er findet die Liebe und verliert sie wieder, er freut sich des Lebens und trauert um die Toten. Die zentralen Themen Leben, Tod, Liebe und Verlust sind essenziell in diesem Film. Wie in Forrest Gump geht es um einen von Geburt an Benachteiligten. Seine Mutter spielt ebenfalls eine tragende Rolle im Film, genauso bleibt seine Jugendliebe eine durchgehende Konstante in seinem Leben. Außerdem lässt die Figur des Captain Mike stark an Leutnant Dan aus Forrest Gump erinnern. Doch trotzdem ist der Film in seiner Umsetzung einzigartig und David Fincher bringt neue filmische Schöpfungen auf die Leinwand. Die visuelle Umsetzung der Verjüngung oder des Alterungsprozesses gelingen David Fincher perfekt. Die als optisches Puzzle misslicher Umstände inszenierte Darstellung der Zufälle, die zu Daisys Unfall führen ist ein absolutes Fincher- Highlight im Film. Genauso wirkt die hoch emotionale Schluss-Sequenz, wenn die stark gealterte Daisy ihre große Liebe Benjamin als Baby auf dem Arm hält, tief berührend und nachwirkend.... Mit ausdrucksstarken Bildern konzipiert Fincher seinen Film und lässt den Zuschauer enorm mitleben. Doch die Überlänge des Films macht sich an einigen langatmigen Stellen bemerkbar. Vor allem als Daisy und Benjamin endlich zueinander finden, scheint die Darstellung ihrer Alltagsprobleme etwas unauthentisch und nicht intensiv und greifend genug, um mit der vorher aufgebauten Dramatik mithalten zu können. Es ist Brad Pitts dritte Rolle an Finchers Seite, nach Se7en und Fight Club. Wieder trumpft dieser durch eine hervorragende schauspielerische Leistung auf. Die Darstellung des Benjamin ist zu beschreiben wie ein „Floß im Wasser“. Er wird von einer Etappe seines Lebens zur anderen getrieben. Bei anderen Darstellern hätte dies vermutlich passiv gewirkt, doch Brad Pitt verleiht der Rolle Authentizität und Emotionalität. Die Schluss-Sequenzen des Films, wenn Brad Pitt wieder so jung aussieht wie zu Zeiten von Thelma & Louise (1991) oder Se7en (1995), sind höchst beeindruckend in ihrer Wirkung auf den Zuschauer. Auch Kate Blanchetts Alterungsprozess ist eine visuelle Errungenschaft, deren Faszination man als Zuschauer kaum entgehen kann. Ganz anders wie seine vorherigen Filme und dennoch einzigartig. Regisseur David Fincher überzeugt durch eine perfekt inszenierte Lebensgeschichte unter ungewöhnlichen Umständen, die durch die authentischen und emotional echt agierenden Schauspieler stark untermauert wird. Trotz der Ähnlichkeit zu Forrest Gump zeichnet sich der Film durch seine visuellen Neuerungen und Bilder aus, auch wenn manche Längen den Spannungsbogen etwas reduzieren.
 
Punkte 9 von 10 mögl. Punkten
Autor: Christina Theodoridou
 
 
 
 


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